91 % der Unternehmen nutzen verstärkt die Dienste von Selbstständigen. Lies weiter, um die Gründe zu erfahren.
Eine flexible Belegschaft ist das Rückgrat des KI-Booms.
Unternehmen aller Branchen wollen KI-Fähigkeiten so schnell wie möglich zum Wettbewerbsvorteil machen. Deshalb brauchen Sie Menschen, die mit der technischen Entwicklung Schritt halten.
Remote erlebt das bei den eigenen Kunden hautnah mit. Große Unternehmen beauftragen immer mehr Selbstständige in der KI-Datenannotation. Mittelständler engagieren Freelancer:innen am anderen Ende der Welt, um an spezialisiertes KI-Knowhow zu kommen, das es auf ihrem lokalen Markt nicht gibt. Führende KI-Entwickler setzen zunehmend auf externe Fachleute für Daten-Annotation, Labeling, Fachexpert:innen und Qualitätssicherung, um den aktuellen Umfang an Datenaufbereitung und Modellbewertung zu bewältigen.
Jahrzehntelang hatten Vertragspartner:innen eine klare Rolle im Unternehmensalltag: Sie ergänzten feste Teams punktuell, etwa für spezielle Projekte oder saisonale Schwankungen. Doch die Anforderungen des KI-Zeitalters haben die Spielregeln komplett verändert. Eine flexible Belegschaft ist heute der Motor der globalen KI-Transformation.
Die Zahlen sind eindeutig. Anfang 2026 befragte Remote mehr als 3.200 Führungskräfte in acht Ländern, wie stark ihre Unternehmen auf Selbstständige setzen. Mehr als 90 % haben in den letzten zwei Jahren mehr Vertragspartner:innen und flexible Arbeitskräfte eingestellt, 41 % davon sogar deutlich mehr. Als Grund nannten 20 % KI-Projekte, für die ihnen intern das nötige Fachwissen fehlt. Fast genauso viele Unternehmen (19 %) führten ihre steigende Zahl an Vertragspartner:innen auf neue Arbeitsgesetze und strengere Einwanderungsregeln zurück. Weitere 17 % nannten den besseren Zugang zu spezialisierten Fähigkeiten. 15 % verwiesen auf die höhere Flexibilität.
Bemerkenswert: 78 % der Führungskräfte erwarten, dass der Freelance-Boom nur vorübergehend ist. Sie erwarten, dass KI ihre Abhängigkeit von flexiblen Talenten binnen zwei Jahren verringern wird. Doch aktuell macht das immer schnellere Tempo der KI-Einführung Selbstständige unverzichtbar.
Der überhörte Compliance-Weckruf
Wenn im Eiltempo viele neue Selbstständige hinzukommen, entstehen neue Probleme.
Unternehmen, die in neuen Regionen verstärkt auf freie Mitarbeit setzen, merken schnell: Jede Rechtsordnung definiert und regelt Beschäftigungsverhältnis, Quellensteuer, Sozialleistungen und Arbeitnehmerschutz anders – und das kann auch Contractors betreffen. Genau diese Compliance-Komplexität steckt hinter einem Befund, der zu denken gibt: 94 % der Unternehmen mit Contractors im Team hatten in den letzten 24 Monaten ein rechtliches, finanzielles oder regulatorisches Problem.
Die Probleme betreffen alle Regionen. 55 % hatten schon im Heimatmarkt Compliance-Probleme. Ein Drittel hatte Probleme Bei der internationalen Zusammenarbeit mit Selbstständigen. 6 % mussten sich sowohl im Inland als auch international mit Komplikationen auseinandersetzen.
Die Fehlklassifizierung gehört zu den häufigsten Compliance-Fehlern in diesem Zusammenhang. Wer in einem Land rechtlich korrekt als Freelancer:in gilt, kann andernorts als angestellt eingestuft werden. Wird das falsch eingeschätzt, drohen Steuernachzahlungen, Strafen und Haftungsrisiken. Im KI-Wettlauf setzen Unternehmen offenbar eher auf Geschwindigkeit als auf Compliance – und verstoßen dabei unabsichtlich gegen Arbeitsrecht.
Diese Realität im Tagesgeschäft hat eine paradoxe Folge. 94 % der Unternehmen hatten im letzten Jahr Compliance-Probleme. Gleichzeitig sind aber genauso viele überzeugt, dass ihre Vereinbarungen mit Vertragspartner:innen vollständig rechtskonform sind. Diese Zuversicht deutet darauf hin, dass Unternehmen das Problem entweder mit besseren Prozessen angehen – oder dass sie lieber Compliance-Risiken eingehen als das Tempo der KI-Implementierung zu gefährden.
Verschiedene Strategien für die flexible Belegschaft je nach Markt
Der Contractor-Boom ist global, aber nicht einheitlich. Die Faktoren unterscheiden sich von Land zu Land – je nachdem, wie regionale Arbeitsmärkte, Einwanderungspolitik und KI-Strategien zusammenwirken.
KI-Projekte mit Bedarf an speziellem Fachwissen treiben weltweit 20 % des Contractor-Zuwachses an. Nur einen Prozentpunkt dahinter folgen Einwanderungs-Beschränkungen und neue Arbeitsgesetze. Häufig greifen beide Faktoren ineinander: Unternehmen wollen dringend KI-Fähigkeiten aufbauen und brauchen dafür Fachleute. Gleichzeitig erschweren strengere Einwanderungsregeln und Arbeitsgesetze in ihren jeweiligen Ländern die Festanstellung zunehmend. Damit bieten Freelancer:innen den schnellsten und flexibelsten Zugang zu dem Fachwissen, das gerade gebraucht wird.
So gehen verschiedene Länder mit dem Contractor-Boom bei um:
Singapur führt bei der Nutzung von Contractor-Services – aber nicht wegen KI. Singapurische Unternehmen verzeichneten den weltweit stärksten Anstieg bei der Nutzung selbstständig erbrachter Dienstleistungen: 97 % setzen verstärkt auf Freelancer:innen. 36 % bezeichneten diesen Anstieg als deutlich. Dennoch nannten nur 21 % der Unternehmen KI-Projekte als Hauptgrund. Hauptgrund der Entwicklung für singapurische Unternehmen waren stattdessen die neuen Arbeitsgesetze und strengeren Einwanderungsregeln des Landes, die 26 % angaben. Seit Januar 2025 hat Singapur die Gehaltsanforderungen für den Employment Pass angehoben und vergibt Visa für ausländische Arbeitskräfte eher nach dem Motto„Qualität-vor-Quantität“. Diese Veränderungen erschweren die klassische Festanstellung zunehmend. Für Unternehmen, die flexible Kapazitäten in vielen Bereichen benötigen, sind Freelancer:innen damit die pragmatische Alternative.
Etablierte Volkswirtschaften zeigen: freie Mitarbeit löst mehrere Probleme gleichzeitig. In Großbritannien, den USA und Deutschland wurden praktisch flächendeckend mehr Freelancer:innen beauftragt (94 %, 93 % und 88 %), was dem globalen Durchschnitt entspricht bzw. sogar darüber liegt. Diese Märkte nennen zwar Engpässe am Arbeitsmarkt und strengere Einwanderungspolitik als Gründe. Sie treiben aber gleichzeitig eine aggressive KI-Transformation voran. Beide Faktoren werden in diesen Märkten relativ gleichmäßig genannt. Das zeigt: Contractors werden nicht nur für KI-Projekte oder nur zum Schließen von Personallücken beauftragt. Stattdessen erfüllen sie beide Bedürfnisse gleichzeitig: Sie schaffen die flexible Kapazität, um mit Einwanderungs-Beschränkungen umzugehen; zugleich bauen sie das notwendige Spezialwissen für die KI-Transformation auf.
In den Niederlanden sieht es jedoch anders aus. Obwohl in der Anteil der niederländischen Unternehmen, die KI als Faktor nennen, am höchsten ist (27 %), fällt der Anstieg bei der Auftragsvergabe an Contractors dort mit 79 % insgesamt am niedrigsten aus. Niederländische Unternehmen gehen bei der personellen Besetzung von KI-Projekten offenbar selektiver und strategischer vor – Qualität und Compliance sind wichtiger als Skalierung.
Land | % der Unternehmen, die in den letzten 2 Jahren mehr Contractors beauftragt haben |
Australia | 94.40% |
France | 93.90% |
Germany | 85.65% |
Niederlande | 79.01% |
Singapore | 97.14% |
Spain | 87.50% |
UK | 94.06% |
US | 93.11% |
Was dieser Boom für Contractors bedeutet
Der Freelancer-Boom eröffnet Spezialist:innen enorme Chancen – vor jenen mit KI-Expertise. 91 % der Unternehmen buchen mehr Contractors, 20 % davon ausdrücklich wegen KI-Projekten. Die Nachfrage nach spezialisierten Fachleuten war noch nie so hoch. Wer sich mit Machine Learning, Data Engineering, KI-Infrastruktur oder verwandten Bereichen auskennt, befindet sich in einer außergewöhnlich starken Verhandlungsposition. Diese Fachleute können höhere Honorare verlangen, ihre Projekte frei wählen und gleichzeitig für mehrere Unternehmen arbeiten.
Doch der Boom bringt unerwartete Komplikationen für die Menschen mit sich, die ihn möglich machen. Hinter den 94 % der Unternehmen mit Compliance-Problemen steht eine unbekannte Zahl an Contractors, die diese Probleme direkt zu spüren bekommen. Risiken durch Fehlklassifizierung, wechselnde Vorgaben zur Quellensteuer und arbeitsrechtliche Definitionen verursachen operative und finanzielle Reibung bei den Betroffenen. Freelancer:innen können rückwirkend als Angestellte eingestuft werden – plötzlich drohen Steuernachzahlungen oder Haftungsrisiken. Zudem geben in Remotes Umfrage 96 % der Unternehmen an, die Klassifizierung ihrer Vertragspartner:innen zu überprüfen. Das erhöht den Kontrollaufwand und kann rückwirkende Konsequenzen für Vertragspartner:innen haben, die unter inzwischen überholten Annahmen engagiert wurden.
Der Boom bei ist nur dann tragfähig, wenn die nötige Infrastruktur vorhanden ist. Unternehmen bauen die Zukunft der KI mit Freelance-Fachleuten – und bewegen sich dabei in einer Compliance-Grauzone. Mit der zunehmenden Beauftragung von Freelancer:innen wächst auch der Druck: Regulierungsbehörden werden genauer hinschauen. Freelancer:innen werden bessere Konditionen und mehr Schutz fordern. Der Wettbewerb um die Besten wird zunehmen.
Wer die Nase vorn hat, investiert in eine solide Infrastruktur für Vertragspartner:innen und klare Compliance-Prozesse. Das Contractor Management ist dabei genauso ernst zu nehmen wie die Transformation, die Freelancer:innen erst ermöglichen.
Die variable Personaldecke ist der Schlüssel zur aktuellen Transformation. Was als Nächstes kommt, hängt davon ab, ob Unternehmen die nötige Infrastruktur aufbauen.
