Was versteht man unter Life‑Work Balance und weshalb ist sie 2025 relevant?
Wir vermeiden den herkömmlichen Ausdruck „work‑life balance“, da er unserer Ansicht nach inhaltlich und sprachlich die Prioritäten vertauscht. Unsere bevorzugte Formulierung Life‑Work Balance macht klar: Das Leben steht an erster Stelle, und Arbeit soll dieses Leben bereichern, nicht überlagern. Life‑Work Balance ist nicht lediglich ein Mass für die im Job verbrachte Zeit oder für verbleibende Freizeit; das Konzept ist vielschichtig. Deshalb zielt unsere Studie darauf ab, ein umfassendes Bild davon zu zeichnen, was gutes Leben und Arbeiten in verschiedenen Regionen bedeutet. Gleichzeitig anerkennen wir, dass Life‑Work Balance keine universelle Definition hat — sie ist individuell und kulturell verschieden. Unser Anspruch ist nicht zu verallgemeinern, sondern die zentralen gesetzlichen Leistungen und Arbeitssysteme weltweit darzustellen, die eine Kultur starker Life‑Work Balance fördern. Weltweit bleibt Life‑Work Balance grundlegend für unser körperliches und emotionales Wohlbefinden. Jede Person sollte Zeit und Freiheit haben, sich ausserhalb der Arbeit sinnvoll dem Leben zu widmen.
„Indem wir Life‑Work Balance fördern, erkennen wir an, dass Arbeit dem Leben dienen soll und nicht dessen Zweck definiert. Bei Remote ist unsere Global Life‑Work Balance Studie mehr als eine vergleichende Tabelle. Sie spiegelt unsere Grundüberzeugung wider: Menschen erbringen ihre beste Leistung, wenn sie das Vertrauen haben, ausserhalb der Arbeit voll zu leben. Wir befürworten Life‑Work Balance, weil Flexibilität und Wohlbefinden mehr sind als lediglich Vergünstigungen. Unsere Mission ist es, eine Zukunft zu gestalten, in der globales Talent nicht nur beruflich, sondern auch privat gedeiht.“ — Barbara Matthews, Chief People Officer
Darum ist Life‑Work Balance heute relevanter denn je
Erstmals gilt Life‑Work Balance als der wichtigste Motivator für Mitarbeitende weltweit; in einer jüngsten Umfrage unter Tausenden internationalen Arbeitnehmenden rangierte Arbeitsplatzflexibilität vor dem Gehalt.
Weshalb aber wird Life‑Work Balance in der heutigen Arbeitswelt zur unverzichtbaren Voraussetzung?
Mitarbeitende verlangen Flexibilität. In unserem aktuellen Remote Workforce Report gaben 73% der einstellenden Führungskräfte an, dass sie Mitarbeitende an Unternehmen verloren haben, die höhere Flexibilität bieten.
Die Grenzen verschwimmen. Die nachhaltige Verbreitung von Hybrid‑ und Remote‑Arbeit bringt viele Vorteile, erschwert aber das konsequente Abschalten für Mitarbeitende.
Wir leben in einer Always‑on‑Kultur. Die Technologie erweitert unsere Möglichkeiten, gleichzeitig steigen aber die Erwartungen an ständige Erreichbarkeit.
Wirtschaftliche Unsicherheit ist weit verbreitet. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten arbeiten viele Mitarbeitende mehr, um ihre Position zu sichern und relevant zu bleiben.
Elterliche Pflichten belasten zunehmend. Fast drei Viertel der weltweiten Erwerbsbevölkerung haben Pflege‑ oder Betreuungsverpflichtungen, die sie mit ihrer Karriere vereinbaren müssen.
KI sorgt für zusätzlichen Druck. Zwar kann KI helfen, effizienter zu arbeiten, doch sie schürt auch Ängste vor Ersetzbarkeit und erhöht den Bedarf an kontinuierlicher Weiterbildung.
Unsere Studie zeigt, dass Länder wie Neuseeland und viele europäische Staaten ihre Mitarbeitenden mit mitarbeiterorientierten Massnahmen darin unterstützen, die Balance zwischen Leben und Arbeit zu finden; Staaten wie die Vereinigten Staaten hingegen riskieren durch eine Kultur langer Arbeitszeiten und begrenzter bezahlter Abwesenheit eine Zunahme von Burnout‑Fällen.
Ohne entschlossene Gegenmassnahmen wird dieses Vorgehen das Talentreservoir schwinden lassen und die künftige Resilienz der Arbeitswelt gefährden.
Life-Work Balance Index survey methodology
Als führende Akteurin im Bereich Global HR und Employment haben wir die Datenanalyse an den 60 Ländern mit dem höchsten BIP durchgeführt, um zu ermitteln, welches Land Mitarbeitenden die beste Life‑Work Balance bietet. Die 60 wirtschaftlich grössten Länder bildeten die globale Stichprobe. Für die Studie wurden folgende Indikatoren herangezogen:
Gesetzlicher Jahresurlaub (Gesamtanzahl bezahlter Ferientage, einschliesslich Feiertage)*
Mindestens gesetzliche Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (Prozent des Lohns oder Pauschalbetrag)*
Gesetzliche Mutterschaftszeit (bezahlt, Wochen)*
Zahlungsrate während der Mutterschaftszeit (Prozent des Lohns)*
Mindestlohn (USD pro Stunde)*
Status der Gesundheitsversorgung
Glücksindex‑Score (1–10, 10 ist am höchsten)
Durchschnittliche Stunden pro Woche pro Erwerbstätige
LGBTQ+‑Inklusivität (0–100, 100 ist am höchsten; dies berücksichtigt sowohl gesetzliche Rechte als auch die öffentliche Meinungsbildung)
Sicherheit: Global Peace Index (1–4, niedriger ist besser)
Ziel war es, die Life‑Work Balance der Länder präzise abzubilden und den bekannten Begriff „work‑life balance“ neu zu rahmen, indem gezeigt wird, wie Unternehmen in den jeweiligen Ländern das Leben ihrer Mitarbeitenden unterstützen und das Leben vor die Arbeit stellen.
Die Metriken wurden mit Gewichtungen angepasst, die ihre relative Bedeutung widerspiegeln; so erhielt jedes Land eine Gesamtpunktzahl von maximal 100. Alle Datenpunkte wurden von besten zu schlechtesten Werten gerankt, ausser der Gesundheitsbewertung, die auf einer Skala bis fünf bewertet wurde (wobei eins am besten ist). Die durchschnittlichen Wochenarbeitsstunden und der Sicherheitswert wurden von niedrig nach hoch gereiht.
Die Datenerhebung und -analyse erfolgte im April 2025.
(*) Wo ein Bereich angegeben wurde, haben wir den Mindestwert ausgewiesen.