Life-Work-Balance in Europa: Was sie wirklich bedeutet
Im Jahr 2025 hat sich der Diskurs darüber, wie wir leben und arbeiten, verändert – nicht nur die Sprache, sondern die Realität. Wir reden nicht mehr über Work-Life-Balance, sondern über Life-Work-Balance. In einer Welt der rasanten technischen Entwicklung und sich ändernden gesellschaftlichen Erwartungen bildet sich eine eindeutige Tendenz heraus: Das Leben steht an erster Stelle. Die Arbeit muss zum Leben passen, nicht andersherum.
In ganz Europa definieren Regierungen, Unternehmen und die Menschen selbst, was es heißt, gut zu leben und zu arbeiten. Die Life-Work-Balance ist zur obersten Priorität für Angestellte geworden und ihnen sogar wichtiger als das Gehalt. Die Menschen wollen Zeit, um sich um ihre Familie zu kümmern, ihren Hobbys nachzugehen und sich zu erholen. Sie wollen die Freiheit, dann und dort zu arbeiten, wo sie am produktivsten sind. Und sie wollen Systeme, die ihr Recht schützen, in ihrer Freizeit wirklich frei zu haben.
Natürlich wissen wir bei Remote, dass Life-Work-Balance für jede Person und jede Kultur etwas anderes bedeutet. Statt allen Ländern eine einzige Definition überzustülpen, ist das Ziel unserer Studie, die wesentlichen gesetzlichen Benefits und Arbeitssysteme zu vergleichen, die zu einer gesunden Life-Work-Balance beitragen.
Arbeit ist überall – und immer da
Mit dem Aufkommen von Hybrid- und Remote-Arbeit ist unser Zuhause auch zu unserem Büro geworden. Damit gibt es immer seltener feste Arbeitszeiten. Diese Flexibilität bietet uns zwar auch mehr Freiheit, gleichzeitig macht sie es aber auch schwieriger, Freizeit und Arbeit zu trennen. Ohne klare Abgrenzung steigt das Burnout-Risiko.
Angestellte wollen mehr als nur ihr Gehalt
Laut unserem aktuellen Global Workforce Report verzeichnen fast zwei Drittel aller Unternehmen mehr Anfragen nach flexiblen Arbeitsbedingungen. Für viele Mitarbeiter:innen sind Flexibilität und Wohlbefinden mittlerweile wichtiger als ihr Gehalt.
Wirtschaftliche Unsicherheit macht Arbeitskräften zu schaffen.
Steigende Lebenshaltungskosten, Inflation und ungewisse Zukunftsaussichten zwingen viele Menschen, sich zu verausgaben, um überhaupt über die Runden zu kommen. In so einem Klima kann eine gute Life-Work-Balance helfen, chronischen Stress, Ängste und damit auf lange Sicht Burnout zu vermeiden.
Technologie beschleunigt den Wandel
KI hat zwar das Potenzial, die Effizienz zu steigern, dafür braucht es aber neue Fähigkeiten. Die Arbeitskräfte müssen sich mit Änderungen zurechtfinden und neue Chancen für ihre Rollen und die Zukunft ergreifen. In so einer Umgebung ist mentale Resilienz wichtiger denn je – und dafür brauchen sie Zeit zum Ausruhen und Abschalten.
Care-Arbeit nimmt zu
Ob Kinder erziehen oder ältere Familienmitglieder unterstützen – Millionen von Menschen widmen einen erheblichen Teil ihrer Zeit der Pflege von Angehörigen. Die meisten Haushalte müssen 2025 ihren Beruf und Care-Arbeit unter einen Hut bekommen. Ohne Förderung leidet immer eins von beiden.
Kulturelle Werte entwickeln sich weiter
Die jüngeren Generationen, die jetzt in den Arbeitsmarkt eintreten, lehnen es ab, für die Arbeit zu leben. Sie suchen sich Berufe, die ihnen auch genügend Freizeit lassen. Und zukunftsorientierte Unternehmen und Regierungen reagieren darauf, vor allem in Europa.
„Im Jahr 2025 wird die Prämisse, dass Produktivität wichtiger als alles andere ist, ernsthaft in Frage gestellt. Vor allem möchten die Menschen nicht mehr ihre Gesundheit und Freizeit dafür opfern. Vor allem in Europa werden zunehmend Gesetze umgesetzt, die langsam anerkennen, dass der Mensch keine Maschine ist. Life-Work-Balance ist aber mehr, als nur weniger zu arbeiten. Die Menschen brauchen Zeit, Raum und Vertrauen. Wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Arbeitgeber ihre Freizeit respektieren, sind sie konzentrierter und belastbarer. Und davon profitieren die Unternehmen.“
Barbara Matthews – Chief People Officer
Europa ist zwar zweifelsohne führend in Life-Work-Balance, dennoch gibt es Regionen, die hinter dem Rest zurückfallen. In Ländern mit langen Arbeitszeiten und wenig Urlaub ist auch das Burnout-Risiko hoch. Ohne systemische Veränderungen riskieren diese Länder die Abwanderung von Talenten und wirtschaftlichen Stillstand mit erschöpften und demotivierten Arbeitskräften.
Bei Remote sind wir der festen Überzeugung, dass Life-Work-Balance kein Luxus ist. Die Menschen geben ihr Bestes, wenn sie genug Freiraum für ihr eigenes Leben haben.
Europäischer Life-Work-Balance-Index: Methodik der Studien
Unsere globalen HR-Spezialist:innen bei Remote haben die Indexdaten der Länder in Europa analysiert, um herauszufinden, welche die beste Life-Work-Balance bieten.
In der Studie wurden diese Indikatoren untersucht:
Gesetzlicher Jahresurlaub (bezahlte Urlaubstage gesamt, einschließlich gesetzlicher Feiertage)
Gesetzliches Krankengeld (Prozentsatz des Gehalts oder Pauschale)
Gesetzlicher Mutterschaftsurlaub (bezahlte Wochen)
Lohnfortzahlung für den gesetzlichen Mutterschaftsurlaub (Prozentsatz des Gehalts)
Mindestlohn (EUR pro Stunde)
Gesundheitswesen
Glück-Index (1–10, wobei 10 am besten ist)
Durchschnittliche Wochenstunden pro beschäftigter Person
LGBTQ+-Inklusion (0–100, wobei 100 der höchste Wert ist. Der Legal Index bewertet die Rechte und Freiheiten von LGBTQ+-Personen, während der Public Opinion Index bewertet, wie die Öffentlichkeit in der jeweiligen Region denkt.)
Sicherheit: Globaler Friedensindex (1–4, niedriger ist besser)
Ziel war es, die Life-Work-Balance in den einzelnen Ländern genau zu erfassen und das bekannte Konzept der „Work-Life-Balance" auf den Kopf zu stellen. Wir wollen zeigen, welchen Stellenwert das Privatleben von Arbeitskräften in den einzelnen Ländern hat.
Die Kennzahlen wurden mit gewichteten Indizes an ihre relative Bedeutung angepasst. Die mögliche Höchstnote für die Länder beträgt 100 Punkte. Die Datenpunkte sind nach ihrem Zahlenwert von groß nach klein geordnet, mit Ausnahme des Gesundheitswesens, das mit fünf Punkten bewertet wurde (wobei 1 die beste Punktzahl ist), und der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit und der Sicherheitsbewertung, für die der niedrigste Wert am besten ist. Die Daten wurden zwischen April und Juni 2025 erhoben und ausgewertet.
Bitte beachte, dass es sich um einen gewichteten Index handelt und die Punktzahl pro Land darauf basiert, wie das jeweilige Land im Vergleich zu den anderen in der Liste abschneidet. Dadurch können wir die einzelnen Regionen isoliert voneinander betrachten. Aus diesem Grund sind die Indexwerte für Länder unterschiedlich, die im europäischen und globalen Ranking erscheinen.